Aus einer Schuhmacherwerkstatt wurde ein Sängertreff.
Am 16. September 1880 begann in Deilingen eine Geschichte, die von harter Arbeit, gemeinsamem Gesang und immer neuen Anfängen geprägt ist.
Wo alles begann.
Schon vor 1880 hatten sich Deilinger Männer zu einem Arbeiterverein zusammengeschlossen. Versammlungslokal war das Haus von Josef Bernhard, dem Gründer dieses Vereins – die untere Stube, eine Schuhmacherwerkstatt. Genau dort wurde am 16. September 1880 der Männergesangverein gegründet.

Zu dieser Zeit mussten die Menschen sehr hart arbeiten. Eine Gruppe dieser Männer übernahm zusätzlich Mäharbeiten in der Gemeinde und auswärts.
Den jungen Männern gab der Lehrer Isidor Weiß Anleitung und begeisterte sie für ideale Dinge. Neben Pfarrer Dreher war der lebenserfahrene, aufgeschlossene und leutselige Schulmeister Berater und vor allem Dirigent der Sängerschar.
Zwei bis drei Proben fanden pro Woche statt. Die Noten wurden auswärts erworben oder abgeschrieben. Ein fest gefügter Gesangsbetrieb war vorhanden.
Die ersten Sänger
Als Gründungsmitglieder gelten dreizehn Männer. Die Ortsangaben in Klammern stehen so in der überlieferten Namensliste.
Der Chor wächst – und muss zweimal verstummen.
In den ersten Jahrzehnten wechselte die musikalische Leitung mehrfach. Zwei Kriege unterbrachen das Vereinsleben – und beide Male nahmen die Sänger den Gesang wieder auf.
Ein früher Verlust
Zum Leidwesen aller starb Isidor Weiß bereits 1888, und Pfarrer Dreher zog fort. Daraufhin übernahm Franz Xaver Weinmann, ein Lehrer aus Deilingen, den Verein. Bei den damals üblichen Festen und Feiern trat der Chor immer wieder auf.
Alfons Reger übernimmt
Im Jahr 1910 übernahm Alfons Reger den Dirigentenstab.
Der Gesang setzt aus
Der Erste Weltkrieg unterbrach die Aufwärtsentwicklung, denn alle Sangesbrüder mussten ins Feld ziehen. Nach Kriegsende nahm Alfons Reger den Dirigentenstab wieder an sich.
Aushilfe für den Kirchenchor
Der Kirchenchor geriet in eine Krise, und die Sänger des Gesangvereins halfen aus. Dadurch kamen immer mehr Verpflichtungen auf sie zu. Zeitweise hatte es den Anschein, die Sangesvereinigung drohe sich aufzulösen. Dazu kam es nicht.
Ein Entschluss in derselben Stube
Als Karl Weiß 1930 das Lehrerseminar erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde er von vielen Seiten ermuntert, dem Gesangverein beizutreten. Mit großem Eifer und zäher Ausdauer ging er ans Werk und übernahm auch die persönliche Werbung.
Ein eigenartiger Zufall: 50 Jahre nach der Gründung fiel im gleichen Haus und in der gleichen Stube der Entschluss zur weiteren Vereinstätigkeit. Karl Weiß wurde Dirigent. Erster Vorsitzender war ab dem 1. November 1930 Konrad Schätzle, zweiter Vorsitzender Friedrich Mattes, Kassierer Franz Josef Reger.
25 Mitglieder
Am 8. November 1931 zählte der Verein bereits 25 Mitglieder.
Josef Hummel kommt nach Deilingen
Am 16. Januar 1932 wurde Dirigent Karl Weiß als Lehrer nach Isny im Allgäu abberufen – ein schwerer Schlag für den Verein. Man gewann schließlich den Ratshausener Dirigenten Josef Hummel. Seine feinfühlige Auffassung, seine Geduld, sein Geschick und seine Ausdauer brachten ihm und dem Gesangverein große Erfolge.
Der Gesang verstummt
Fast alle Sänger mussten in den Krieg ziehen, und wieder kehrten viele nicht zurück. Der Gesang war verstummt, das Leid groß.
1946 begann der Chor erneut.
Nach dem Zusammenbruch Deutschlands war jede Vereinstätigkeit zunächst strengstens untersagt. Die Sänger jedoch sehnten sich nach den schönen Stunden des Gesangs.
Schon am 31. Mai 1946 suchte die Vorstandschaft bei der französischen Militärregierung um die Genehmigung nach, den Verein weiterzuführen. Sie wurde erteilt. Als Dirigenten sprangen zunächst Lehrer Schinle, Pfarrer Engst und Lehrer Lensler ein, bis Josef Hummel aus Ratshausen wieder nach Deilingen kam.
Aus 18 Sängern wurden innerhalb weniger Jahre 65.
1980: hundert Jahre Chorgeschichte.
Zwischen dem Neubeginn und dem Jubiläum lagen drei Jahrzehnte, in denen der Chor musikalisch deutlich wuchs – und in denen er einen jungen Dirigenten verlor.
Weil Josef Hummel das Dirigentenamt gerne abgeben wollte, fand der Verein 1952 in Josef Bernhard einen fähigen und erfolgshungrigen Dirigenten, der den Chor auf ein erstaunlich hohes Niveau brachte. Am 14. November 1960 traf den Verein ein herber Verlust: Der junge Dirigent starb völlig überraschend im Alter von 31 Jahren.
Wieder übernahm Josef Hummel, dem der Verein so viel zu verdanken hat, den Dirigentenstab. 1971 gab der inzwischen 77-jährige Hummel das Amt an Berthold Nikol weiter. Wie Josef Bernhard kam auch er aus den eigenen Reihen. Unter seiner Leitung feierte der Männergesangverein 1980 sein 100-jähriges Bestehen.



Von Jubiläen, Übergängen und neuen Kapiteln.
Die jüngere Geschichte erzählt von einer langen Kontinuität an der Vereinsspitze, von mehreren Wechseln am Dirigentenpult und von Konzerten, die in Erinnerung geblieben sind.
Ein langer Vorsitz beginnt
Seit 1996 leitet Gerhard Stier den Verein als 1. Vorsitzender. Sein Vorgänger Helmut Schätzle gab das Amt nach 38 Jahren aus gesundheitlichen Gründen ab und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
120 Jahre Liederkranz
Am 21. und 22. Oktober 2000 feierte der Männergesangverein „Liederkranz“ Deilingen-Delkhofen sein 120-jähriges Bestehen.
30 Jahre Berthold Nikol
Im Oktober 2001 stand ein weiteres großes Jubiläum an: 30 Jahre Dirigent Berthold Nikol. Anlässlich dieses Jubiläums gab er bekannt, sich vom Dirigentenpult zurückzuziehen.
Harald Kuolt am Pult
Im Januar 2002 übernahm Harald Kuolt das Amt des Dirigenten. Nach mehr als zwei Jahren gab er es 2004 aus beruflichen Gründen ab und übernahm die Position des Vizechorleiters.
Peter Riehm übernimmt
Seit März 2004 war Peter Riehm Chorleiter des MGV. Er führte den Chor bis Januar 2007.
Ursula Riehm leitet den Chor
Im Februar 2007 übernahm Ursula Riehm die Chorleitung. Sie leitet den Chor bis heute.
Gedenkkonzert für Peter-Michael Riehm
Mit einem Gedenkkonzert erinnerte der Verein an Peter-Michael Riehm. Sein Chorsatz „Trost“ wurde noch 2024 bei der Totenehrung der Generalversammlung gesungen.
Liederabend mit Projektsängern
Für den Liederabend am 21. April 2018 in der Festhalle Deilingen konnten Interessierte als Projektsänger mitwirken – rund acht Probenabende genügten dafür.
Konzert mit dem Ural Kosaken Chor
Am 7. Dezember 2019 sang der MGV gemeinsam mit dem Ural Kosaken Chor in der Pfarrkirche. Im Anschluss folgte der Weihnachtsmarkt.
140 Jahre – und keine Feier
Zum 140-jährigen Bestehen 1880–2020 waren Jubiläumsfeiern geplant, die abgesagt werden mussten. Auch das nachgeholte Jubiläumskonzert am 6. November 2021 mit dem Gastchor „Medenbach Unlimited“ fiel aus.
„gsunga und g’schbielt 3.0“
Am 8. Juli 2023 fand im Schulhof die dritte Auflage von „gsunga und g’schbielt“ statt – ein gemeinsames Konzert verschiedener Ensembles, Gruppen und Einzelmusiker. Zehn Projektsänger verstärkten dabei den Chor.
Zwei Liederabende
Am 23. November 2024 lud der Chor zum Liederabend in die Gemeindehalle Deilingen ein, am 15. November 2025 folgte der nächste. Dazwischen führte im Oktober 2024 eine mehrtägige Vereinsfahrt in die Welterbestadt Quedlinburg.
Vorsitzende und Chorleiter.
Diese Übersicht folgt den Aufzeichnungen des Vereins. Die Reihe der Chorleiter reicht bis zur Gründung zurück. Die Namen der Vorsitzenden sind erst ab 1930 überliefert.
Dokumentierte Vorsitzende
Chorleiter seit der Gründung
Ehrenvorsitzender: Helmut Schätzle · Ehrenchorleiter: Berthold Nikol
Seit 1880 – und noch lange nicht am Ende.
Heute singen 16 Männer im Alter von 23 bis 79 Jahren im MGV Deilingen. Was 1880 in einer Schuhmacherwerkstatt begann, tragen sie jeden Donnerstag gemeinsam weiter.
Nächste Termine ansehen →Probe: donnerstags um 20 Uhr im Vereinsraum der Grundschule Deilingen.
